Mein FSJ in der Psychiatrie

5. Mai 2024


„Das FSJ war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können“

– Carlotta Doell, FSJlerin

Wie die Allermeisten hatte ich nach meinem Abi keine Ahnung, was ich jetzt genau mit meinem Leben anfangen sollte. Meine Mutter hat mich dann gedrängt, doch ein FSJ zu machen und da ich keine anderen wirklich guten Alternativen hatte, suchte ich mir in einer anderen Stadt eine FSJ-Stelle in der Akutpsychiatrie. Dass ich ausziehen wollte, stand nämlich schon lange fest.

Ich fand eine super WG, trat (einigermaßen nervös) meine neue Stelle an und habe in den Seminaren gute Freunde kennengelernt, die mir das Ankommen weg von Zuhause enorm erleichterten.

An den Vollzeitjob und die Schichtarbeit musste ich mich dann erst einmal gewöhnen, aber die Arbeit macht mir bis heute sehr viel Spaß. Ich habe ein tolles Team, man begegnet unglaublich vielen unterschiedlichen Menschen und wächst an jeder positiven oder auch negativen Erfahrung. Außerdem bekomme ich von den Patient*innen oft gesagt, dass sie toll finden, was ich mache. Das bestärkt mich besonders darin, dass ich mit dem FSJ die absolut richtige Entscheidung getroffen habe. In den letzten 9 Monaten habe ich mich zudem sehr verändert: Ich bin offener und selbstbewusster geworden und kann Verantwortung für mich und andere übernehmen. Gleichzeitig weiß ich nun, dass ich definitiv etwas mit Menschen machen möchte und bin gerade dabei, mich für Psychologie und Soziale Arbeit zu bewerben. Dafür ist auch das ganze Fachwissen sehr hilfreich, dass man sich so nach und nach aneignet.

Über meine reguläre Arbeit hinaus engagiere ich mich noch als Standortsprecherin bei meiner Träger-Organisation, dem Internationalen Bund, und bei FWD-Stärken politisch, da trotz aller positiven Dinge vieles noch verbesserungswürdig ist, wie etwa die Bezahlung, die meist in keinem Verhältnis zu dem steht, was wir Freiwilligen alles leisten. Unser FSJ hat ja nicht nur Nutzen für uns selbst sondern auch für die Gesellschaft, die oft keine Ahnung hat, wie viel wir in unseren Einsatzstellen eigentlich machen. Vor allem ist es schade, dass viele junge Leute eigentlich Interesse hätten, sich aber wegen 2 – 3 € Stundenlohn für eine Vollzeitstelle dagegen entscheiden. Dementsprechend sollte vor allem mehr Geld und mehr Wertschätzung von politischer Seite kommen.

Alles in allem würde ich trotzdem jedem und jeder empfehlen ein FSJ zu machen. Ich habe viele wertvolle Momente erlebt, die mich für immer prägen werden, und bin dankbar, dass es die Möglichkeit gibt, längerfristige Einblicke in bestimmte Berufsfelder zu erlangen, ohne gleich eine Ausbildung oder ein Studium beginnen zu müssen.